Tilman Fuchs in Winnyzja: „Partnerschaft steht auf starkem Fundament“
Es war der erste Besuch von Fuchs in Winnyzja seit seinem Amtsantritt im November 2025 und das erste persönliche Treffen mit Morhunov.
„Wir haben in den vergangenen Jahren viel über die Stärke der ukrainischen Gesellschaft gelernt – über ihren Zusammenhalt, ihre Widerstandskraft und ihren Mut. Unser Besuch in Winnyzja hat diesen Eindruck noch einmal nachhaltig bestätigt. Trotz der enormen Belastungen des Krieges bleibt die Stadt handlungsfähig und richtet den Blick auf die Zukunft“, erklärt Fuchs. „Mein besonderer Dank gilt Bürgermeister Serhii Morhunov und seinem Team für die große Gastfreundschaft und die Offenheit, mit der wir in Winnyzja empfangen wurden. Gerade unter den Bedingungen des Krieges ist es nicht selbstverständlich, sich die Zeit für einen so intensiven Austausch zu nehmen.“
Morhunov bedankte sich im Rahmen des Besuchs für die Unterstützung aus Münster: „Die Partnerschaft zwischen Winnyzja und Münster entstand in einer für die Ukraine äußerst schwierigen Zeit, doch von Anfang an ging sie weit über die Reaktion auf die dringenden Bedürfnisse der Kriegszeit hinaus. Münster hat echte europäische Solidarität bewiesen – nicht nur durch die Bereitstellung der notwendigen Hilfe für Krankenhäuser, Schulen, kommunale Betriebe und kritische Infrastruktur, sondern auch dadurch, dass Münster sich als verlässlicher Partner der Ukraine erwiesen hat. Ich danke der münsterschen Bevölkerung, der Stadtverwaltung, den Organisationen, den Unternehmen und allen Menschen, die Winnyzja und die Ukraine unterstützen, von ganzem Herzen.“
Am Donnerstag hatte die Stadt Winnyzja ein umfangreiches Programm für die Delegation aus Münster vorbereitet. Bei einem Treffen im Gebäude des Stadtrates tauschten sich die beiden Stadtoberhäupter über die aktuelle Situation in Winnyzja und die kriegsbedingten Herausforderungen aus. In der Region rund um Winnyzja gab es in den letzten zwei Wochen über 40 Luftalarme mit einer Gesamtdauer von mehr als 21 Stunden. Bei einem Drohnenangriff am 2. September wurden rund 20 Privathäuser beschädigt und zwei Frauen verletzt. Auch während des Aufenthaltes der Delegation aus Münster gab es insgesamt fünf – teils nächtliche – Luftalarme mit einer Gesamtdauer von über zwei Stunden.
„Münster steht weiter fest an der Seite unserer Freundinnen und Freunde in Winnyzja. Die unmittelbaren Erfahrungen vor Ort bestätigen mich zudem in der Überzeugung: Russland darf diesen verbrecherischen Krieg nicht gewinnen. Dafür braucht die Ukraine unsere politische, gesellschaftliche und ganz konkrete Unterstützung,“ betont Fuchs.
Beim Treffen der Stadtoberhäupter ging es auch um die bisherige Zusammenarbeit und künftige Ziele. „Aus Winnyzja nehmen wir viele Impulse und bleibende Eindrücke mit sowie die Gewissheit, dass unsere Solidaritätspartnerschaft auf einem starken Fundament steht. Der persönliche Austausch vor Ort hat unsere Verbundenheit weiter gestärkt und zugleich gezeigt, wie viel Potenzial in unserer Solidaritätspartnerschaft steckt. Eine solche Partnerschaft lebt von Begegnung und Vertrauen – und davon, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen, unterstützen und voneinander lernen. Nun gilt es, unsere Zusammenarbeit gezielt auszubauen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, digitale Resilienz, Bevölkerungsschutz, Nachhaltigkeit und Begegnung“, erläutert Fuchs.
Oberbürgermeister besucht Klinik und Schule
Teil des Programms war auch der Besuch des Notfallkrankenhauses von Winnyzja. In der Klinik wurden nach Kriegsbeginn Schutzräume errichtet, die so ausgebaut sind, dass dort Notfälle behandelt werden können. Im Einsatz sind hier auch Rehabilitations-Equipment und Pflegeausstattung, die im Rahmen der Solidaritätspartnerschaft von Münster nach Winnyzja transportiert wurden.
Mitglieder der Delegation von Tilman Fuchs waren auch Prof. Tobias Hirsch, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Münster (UKM) und Chefarzt an der Fachklinik Hornheide, sowie Sonja Schoppmann, Pflegedienstleitung am UKM. Analog zu einer Kooperation mit dem Metschnikov-Krankenhaus in der ukrainischen Stadt Dnipro plant das UKM den Aufbau einer Partnerschaft mit Kliniken in Winnyzja. Ärztinnen und Ärzte aus der Ukraine sollen in diesem Rahmen zu einem fachlichen Austausch ans UKM kommen können. Beteiligt sind die Kliniken für Unfallchirurgie, Plastische Chirurgie und Orthopädie sowie der Stab UKM International.
„Die Delegationsreise hat die Zusammenarbeit des UKM und der Fachklinik Hornheide mit den Kliniken und Gesundheitseinrichtungen in Winnyzja weiter gestärkt. Wir haben wichtige Einblicke in die Versorgungssituation und die hervorragende Arbeit unserer ukrainischen Kolleginnen und Kollegen gewonnen. Diese Erfahrungen werden uns helfen, unsere Unterstützung – etwa bei der Versorgung Schwerverletzter – gezielt weiterzuentwickeln“, erklärt Hirsch. „Zugleich lernen wir von unseren Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine, wie die Versorgung kranker und verletzter Menschen in Krisenzeiten und Katastrophenlagen bewältigt werden kann. Ich habe höchsten Respekt vor der Leistung aller Beteiligten und bin dankbar für die Gastfreundschaft und den Austausch in dieser besonderen Situation.“
Oberbürgermeister Tilman Fuchs und Bürgermeister Serhii Morhunov besuchten gemeinsam zudem eine allgemeinbildende Schule in Winnyzja. Dort erhielt Fuchs einen Einblick in die Notstromversorgung, bei der auch Generatoren zum Einsatz kommen, die 2025 im Rahmen einer Spendenaktion von Münster aus nach Winnyzja geliefert wurden. Im Zuge der Aktion konnten mehrere Schulen in Winnyzja mit Generatoren für die Strom- und Wärmeversorgung ausgestattet werden.
Für den kommenden Winter ist die Stadt Winnyzja auf weitere Generatoren angewiesen. Wer dafür spenden möchte, kann ein Spendenkonto des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Regionalverband Münsterland nutzen (IBAN: DE55 4005 0150 0034 5002 23, Stichwort: Winnyzja).
Partnerschaft wächst seit 2022 stetig
Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine entwickelte sich ab 2022 die Solidaritätspartnerschaft zwischen Münster und Winnyzja, die die beiden Städte im März 2023 offiziell besiegelten. Den Kontakt stellte damals die gemeinsame polnische Partnerstadt Lublin her. Die Zusammenarbeit in dem Dreierbündnis Münster-Winnyzja-Lublin hat sich seitdem bewährt. So werden mit logistischer Unterstützung aus Lublin regelmäßig umfangreiche humanitäre Hilfslieferungen von Münster nach Winnyzja transportiert.
Neben dem fachlichen Austausch und der praktischen Unterstützung durch die Stadt Münster hat sich im Rahmen der Partnerschaft ein umfangreiches bürgerschaftliches Engagement etabliert. Bürgerinnen und Bürger, Schulen, Unternehmen, Vereine, kulturelle und kirchliche Institutionen sowie weitere Organisationen wie die Rotary Clubs aus Münster engagieren sich für die ukrainische Partnerstadt.