Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hat die Stadt Münster als Zeichen der Solidarität mit der queeren Gemeinde eine Pride-Flagge mit Trauerflor am Stadtweinhaus gehisst.
„Der schreckliche Angriff in Berlin richtet sich gegen einen Grundwert unserer Gesellschaft: Freiheit. Diese werden wir uns nicht nehmen lassen. Als Stadtgesellschaft wollen wir der Opfer gedenken und zeigen, dass Münster weltoffen und tolerant bleibt“, sagt Oberbürgermeister Tilman Fuchs und erinnert auch an die Attacke vor vier Jahren in Münster, bei der ein junger trans* Mann, am Rande der Christopher-Street-Day-Versammlung tödlich verletzt wurde. „Dass Menschen, die für ihre Rechte demonstrieren, besonderen Schutz brauchen, ist traurig. Wir stehen an der Seite der queeren Gemeinde und weichen nicht davon ab, dass solche Versammlungen dort stattfinden, wo sie hingehören: in die Mitte der Stadt.“
Am Samstagabend, 25. Juli, ist in Berlin ein Fahrzeug am Rande des Christopher Street Days in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau kam dabei ums Leben, 29 Menschen wurden verletzt. Die Stadt Münster prüft in Beratung mit der Polizei die Sicherheitsmaßnahmen für bevorstehende Veranstaltungen wie den NRW-Tag, der vom 28. bis 30. August in Münster stattfindet. Die Konzepte werden vor diesem Hintergrund neu bewertet und gegebenenfalls angepasst. Den CSD in Münster, der am 15. August als Demonstration vom Aasee zum Prinzipalmarkt zieht, wird die Polizei mit verstärkten Kräften schützen.
Pride-Flagge am Prinzipalmarkt
Als Zeichen der Solidarität hat die Stadt Münster am Montagmittag die Inter-Progress-Pride-Flagge, eine Variante der Regenbogenflagge, mit Trauerflor am Sentenzbogen des Stadtweinhauses gehisst. Dort wird sie auch am Dienstag während der Gedenkveranstaltung hängen. Neben den sechs Regenbogenfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett hat die Progress-Pride-Flagge sieben weitere Farben mit symbolischer Bedeutung: Schwarz und Braun stehen als Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung von People of Color. Weiß, Rosa und Hellblau gelten als Symbol der Emanzipationsbewegung von trans*Personen; Lila und Gelb für die Emanzipationsbewegung von inter* Personen.
Der Christopher Street Day geht auf Proteste im Juni 1969 zurück. Damals widersetzten sich in der New Yorker Christopher Street bei den „Stonewall-Aufständen“ Homosexuelle und Transgender nach wiederholten Razzien der Polizei im „Stonewall Inn“, einem Ort für LSBTIQ* Personen. Die Ereignisse damals waren der Beginn der zweiten Emanzipationsbewegung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, intergeschlechtlichen und queeren Menschen. Seit 1979 finden in der Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr im Sommer in Erinnerung daran „Christoper Street Days“ (CSD) statt. Im April 1972 fand in Münster die erste Homosexuellendemonstration in der Bundesrepublik Deutschland statt.