In den Hallenbädern Wolbeck und Süd (im Bild) übernehmen Vereine nach den Herbstferien während ihrer Schwimmzeiten testweise den Betrieb.
Personalmangel, hohe Betriebskosten und ein erheblicher Sanierungsbedarf belasten den Betrieb der zehn städtischen Schwimmbäder in Münster. Wie aus einem Bericht der Verwaltung hervorgeht, werden allein für die Sanierung des Ostbads mindestens 20 Millionen Euro benötigt. Um trotz begrenzter finanzieller Mittel ein gutes Angebot aufrechtzuerhalten, will die Stadt Abläufe und Zuständigkeiten besser koordinieren und erprobt, ob Vereine den Betrieb einzelner Hallenbäder während ihrer Schwimmzeiten übernehmen können.
Die Stadt betreibt sieben Hallen- und drei Freibäder, zudem zahlt sie Zuschüsse für den Betrieb des Freibads Sudmühle und des Bürgerbads Handorf. Obwohl die Zahl der Bäder in den vergangenen Jahren gestiegen ist, wurde das Betriebsbudget nicht entsprechend erhöht. In den vergangenen beiden Jahren lagen die jährlichen Betriebskosten für die Stadt für alle zwölf Bäder in Münster bei jeweils rund 11,75 Millionen Euro. Davon entfielen knapp 5,4 Millionen Euro auf Personalkosten. Dem stehen Einnahmen von durchschnittlich 1,45 Millionen Euro pro Jahr gegenüber.
Angesichts der angespannten Haushaltslage muss die Stadt auf Grundlage belastbarer Kriterien noch stärker priorisieren, welche Maßnahmen Vorrang haben und welche zurückgestellt werden müssen. „Deshalb müssen wir uns darauf konzentrieren, bestehende Mängel zu beseitigen, den sicheren Betrieb zu gewährleisten und die Bäder mit den vorhandenen Ressourcen langfristig verlässlich zu organisieren“, sagt Kerstin Dewaldt, Leiterin des Sportamtes.
Testphase während Vereinsschwimmzeiten
Nach den Herbstferien übernehmen Vereine während ihrer Schwimmzeiten testweise den Betrieb in den Hallenbädern Wolbeck und Süd. Mitarbeitende des Sportamtes begleiten die bis Jahresende laufende Pilotphase. Die Erprobung stellt die Vereine vor besondere Anforderungen: In einigen Bädern ist die Technik veraltet, zugleich müssen hohe Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. „Der Testlauf soll zeigen, welche Anforderungen und Risiken mit dem Betrieb durch Vereine verbunden sind und wie sie sich verlässlich bewältigen lassen“, sagt Dewaldt. Das Schulschwimmen und der öffentliche Badebetrieb sind davon nicht betroffen.
Die Zusammenarbeit soll den Personalaufwand der Stadt für das Vereinsschwimmen verringern und zusätzliche Schwimmzeiten für Vereine und – mit den freigewordenen Kapazitäten – für die Öffentlichkeit schaffen. Außerdem will die Verwaltung Abläufe und Zuständigkeiten effizienter regeln sowie die Kosten und Einnahmen der einzelnen Standorte besser vergleichbar machen.
Viele Bäder sind mehr als 50 Jahre alt
Neben den Herausforderungen im laufenden Betrieb müssen zahlreiche städtische Bäder umfassend saniert werden. Mit Ausnahme des 2024 neu errichteten Südbads und des Hallenbads in Kinderhaus (Baujahr 1983) sind die städtischen Bäder in Münster mehr als 50 Jahre alt. Viele Gebäude und technische Anlagen sind so alt, dass sie erneuert werden müssen. Zugleich sind Investitionen in eine technische Ertüchtigung oftmals ausgeblieben, sodass etwa Wasseraufbereitung, Lüftung, Energie und Gebäudeautomation regelmäßig nicht auf einem modernen Stand sind.
In diesem Jahr führten größere Defekte zu Einschränkungen. Das Hallenbad Ost und das Freibad Coburg mussten zeitweise außerplanmäßig schließen. In den Bädern Mitte, Kinderhaus und Hiltrup dauerten die Revisionsarbeiten länger als üblich, weil dringende Maßnahmen notwendig waren.
Die Stadt prognostiziert in ihrem Bericht, dass sich der Betrieb der meisten städtischen Bäder mit Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen noch rund fünf bis zehn Jahre aufrechterhalten lassen dürfte, bevor erhebliche Investitionen erforderlich werden. Ausnahmen bilden die Hallenbäder Ost und Hiltrup, bei denen bereits jetzt ein besonders hoher Sanierungsbedarf besteht.
Ostbad-Sanierung kostet mindestens 20 Millionen Euro
Für das Ostbad belaufen sich die bislang ermittelten Kosten für eine Sanierung auf rund 20 Millionen Euro. Die erfassten Sanierungskosten konzentrieren sich angesichts der angespannten Haushaltslage auf Maßnahmen zum Erhalt des bestehenden Badeangebots. Weitergehende Investitionen, insbesondere in den Sauna- und Solebereich, können unter den derzeitigen finanziellen Rahmenbedingungen nicht betrachtet werden.
Im Hallenbad Hiltrup ist die gesamte Badewasser-, Steuer- und Schalttechnik veraltet, auch Filter müssen mittelfristig ausgetauscht werden. Für die technische und energetische Sanierung wurde das Bad vom Bund für eine Förderung in Höhe von 1,2 Millionen Euro ausgewählt. Ursprünglich hatte die Stadt eine Fördersumme von 3,15 Millionen Euro beantragt. Derzeit wird geprüft, welche Gesamtinvestition für die Sanierung erforderlich ist, um sie unter Einhaltung der Förderbedingungen umzusetzen.
Im kommenden Jahr bewertet die Verwaltung den Zustand aller Bäder, ihre Perspektiven und die finanziellen Rahmenbedingungen. Auf dieser Grundlage will sie dem Rat voraussichtlich noch im ersten Quartal 2027 priorisierte Maßnahmen für die einzelnen Bäderstandorte vorschlagen.